Als ich heute durch die Stadt flaniert bin, sprang es mir von allen Seiten entgegen: Sale! Sale Sale! 50 % auf alle Winterteile! Bis zu 70% reduziert! Öha, der Winterschlussverkauf ist wieder da.

Ich erinnere mich noch an Fernsehbilder, auf denen Trauben von erwartungsvollen Kunden vor den Türen großer Einkaufshäuser standen und auf Einlass harrten. An Menschen, die in den Laden stürzten und sich gegenseitig fast überrannten, um die besten Schnäppchen zu ergattern. So völlig gaga scheint es inzwischen nicht mehr zu sein. Warum auch! Inzwischen inszenieren gewiefte Marketingfuzzis alle paar Wochen diverse Sales. Den Konsumrausch gibt es heute das ganze Jahr über.
Und ganz ehrlich, auch ich habe mich immer mal wieder von den leuchtend roten Prozentzahlen verführen lassen und mich auf Schnäppchenjagd begeben. Im ersten Moment fühlt es sich ganz gut an, für wenig Kröten viel zu ergattern. Das Ganze verliert allerdings deutlich an Charme, wenn man weiß, dass die Textilindustrie der zweitgrößte Umweltverschmutzer ist. Noch viel mulmiger wird mir, wenn ich an die verheerenden Arbeitsbedingungen denke, unter denen der Großteil unserer T-Shirts, Hosen und Schuhe produziert wird und die in vielen Fällen an Sklaverei grenzen. Insgesamt 80 Milliarden Kleidungsstücke werden jedes Jahr weltweit produziert. Gleichzeitig tragen wir (also die Konsumenten in den entwickelten Ländern) durchschnittlich nur 30% unserer Klamotten. Der Rest liegt vernachlässigt und unbeachtet in unseren Schränken.
Dennoch konsumieren wir weiter und kaufen oft Sachen, bei denen wir nicht einmal sicher sind, ob sie uns wirklich gefallen. Nicht so schlimm, das Zeug ist ja so günstig. Dass dennoch H&M, Zara, KIK & Co. z.T. fette Gewinne einstreichen, verdeutlicht, wie lächerlich niedrig die Kosten in der Produktion sind.
Aber dieses Jahr lass ich mich von den Lockrufen der Kleidungsketten nicht einfangen. Das ist beschlossen. Ganz verbieten will ich mir die Lust am Klamotten shoppen nicht. Muss ja auch nicht. Inzwischen gibt es genug Möglichkeiten, fair und ökologisch einzukaufen. Und meinen Schnäppchen-Jagdinstinkt kann ich sicherlich auf Flohmärkten und in Second-Hand-Läden ganz hervorragend ausleben… 😉
