Tropf tropf tropf…schon seit Wochen greife ich gefühlt 100mal am Tag zum Taschentuch. Zwar bin ich in diesem Winter von einer fiesen Erkältung verschont geblieben. Aber kaum pfeift der Wind ums Näsken oder geh ich von der Wärme in die Kälte (oder andersrum), geht das Geschniefe los. Also schnell das Taschentuch gezückt – und dann nach zwei bis dreimal Nase putzen ab in die Tonne damit. Bei dem Gedanken daran, wie viel Müll ich damit in den letzten Wochen produziert habe, wird mir ein wenig mulmig.
Zwar nutze ich meistens Recyclingtaschentücher. Aber wenn die Nase in Not und kein Recyclingtuch greifbar ist, dann springe ich schon mal ums Eck und hol eine Packung herkömmliche Papiertaschentücher. Doch die sind leider eine kleine ökologische Katastrophe. Denn um den dafür benötigten Zellstoff herzustellen, müssen jede Menge Bäume gefällt werden. Den Zellstoff beziehen die Taschentuch-Hersteller oft aus umstrittenen Quellen, wie z.B. von Plantagen aus Regenwaldgebieten. Zudem benötigt die Herstellung von Papiertaschentüchern viel Energie und Wasser.
Recyclingtaschentücher weisen eine deutlich bessere Ökobilanz auf. Aber wie die herkömmlichen Papiertaschentücher sind auch sie in der Regel fett in Plastik eingehüllt. Und darauf will ich im Zug meiner Plastikdiät ja eigentlich so weit wie möglich verzichten.
Beim Nase putzen Bäume schützen
Vor ein paar Tagen habe ich im unverpackt-Laden in Konstanz eine coole Alternative entdeckt, für die kein Baum sein Leben lassen muss und die ganz ohne Kunststoffverpackung auskommt: Taschentücher aus Bambusfasern.
Bambus ist die am schnellsten wachsende Pflanze des Planeten und kann über viele Jahrzehnte schonend geerntet werden. In einer Großpackung (hübsch in Recyclingpapier verpackt) stecken 360 dreilagige Tücher. Die ersten Nasentests beweisen: Komfort-technisch können sie mit den herkömmlichen Tüchlein sehr gut mithalten.
Und für den kleinen Vorrat in Rucksack, Mantel und Umhängetasche habe ich auch schon ein paar geeignete Behälter gefunden, z.B. eine ehemalige Bonbondose und ein ausrangierter Stoffgeldbeutel.
Das Manko: Auch die Bambustücher sind Einmal- und damit Wegwerfprodukte.
Omas altes Schnuffeltuch
Tendenziell die ökologische Nase vorn haben Stofftaschentücher. Zwar werden für die Herstellung eines Papiertaschentuch (erst recht eines aus Bambus) weniger Ressourcen verbraucht als für ein Baumwoll-Stofftaschentuch. Allerdings können letztere mehrere hundert Male wiederverwendet werden.
Wichtig ist allerdings, dass die Nasenschmeichler aus biologischer Baumwolle hergestellt sind. Für den konventionellen Baumwollanbau werden Unmengen an Wasser verbraucht und viele Pestizide eingesetzt. Das verhagelt die Bilanz ratz-fatz.
Noch mehr ökologische Pluspunkte sammeln Taschentücher, die ihr von euren Großeltern geerbt habt, oder selbst aus Stoffresten fertigt. Anleitungen und Tipps zum Selbernähen findet ihr z.B. hier:
Umweltfreundliche Softies aus T-Shirts, Hemden & Co. upcyceln
oder auch hier
Wer (wie ich) handwerklich nicht so begabt ist, findet inzwischen auch eine Auswahl an Stofftatüs aus Bio-Baumwolle im Handel
z.B. beim wunderbaren Monomeer-Shop in Konstanz
