Vor kurzem habe ich von dem Angebot der Verbraucherzentrale erfahren, Mieter zum Strom- und Wärmeverbrauch vor Ort zu beraten – dem sogenannten Basis Check. Ziel ist es, Stromfresser und Verschwendungsquellen im Haushalt zu identifizieren und Alternativen zu finden, um Energie und Kosten einzusparen. Vor einer Woche habe ich bei der Verbraucherzentrale einen Beratungstermin angefragt und voila – heute morgen kam die Energieberaterin bei mir vorbei.
Während ich noch dabei bin, hektisch die letzten Krümel vom Frühstück aufzukehren und die Wohnung in einem einigermaßen präsentablen Zustand zu bringen, klingelt es an der Tür. :-} Irene Schmidt, meine Energieberaterin, ist quasi meine Nachbarin. Vor ein paar Wochen ist sie in den Wohnblock gegenüber eingezogen. Frau Schmidt meint, ich könne praktisch in ihre Küche schauen. Ob sie mir damit wohl sagen will, dass sie in meine Küche schauen kann? In diesem Fall hätte ich es mir sparen können so zu tun, als ob ich ordentlich wäre. Doch Ordnung ist nicht ihr Thema, Energie sparen aber sehr wohl. Und so schreiten wir bzw sie zur Tat.
Aus ihrer Tasche holt Frau Schmidt einige Infoblätter und bespricht kurz mit mir das Procedere: Dass sie mit mir einige Fragen zu meinem Energieverbrauch durchgehen würde, sich dann mit mir die Wohnung anschauen wolle, alles wesentliche protokollieren würde und ich in in einer Woche einen standardisierten Kurzbericht bekäme. Die einstündige Energieberatung ist erfreulicherweise gratis. In Wirklichkeit kostet sie natürlich schon etwas, nämlich 166,60 Euro pro Beratung. Aber die bezahlt das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie.

Bereits in den ersten Minuten der Beratung merk ich, wie wenig ich über den energetischen Zustand meiner Wohnung bzw. meines Wohnblocks weiß, in dem ich jetzt immerhin schon acht Jahre lebe. Mit welchem Energieträger wird die Heizungsanlage versorgt (Gas, glaube ich zumindest….)? Wie alt ist die Heizung (puh, keine Ahnung, ich schätze eher alt)? Gibt es eine Wärmepumpe (…???)? Ist die Heizung an das Fernwärmenetz angeschlossen (kann ich mir nicht vorstellen, aber…). Ist das Gebäude energetisch saniert bzw teilsaniert (ich finde es ja recht kuschelig bei mir, aber energetisch saniert?)? Wir werfen einen Blick in meine Nebenkosten-Abechnung: Doch diese ist so kryptisch, dass auch meine Energieberaterin Mühe hat, sie zu verstehen. Wie viele Kilowattstunden ich für meine Heizung verbrate, lässt sich beim besten Willen nicht erkennen.
Die Stromrechnung ist schon aufschlussreicher – und bringt mir bei meiner Energieberaterin ein paar lobende Worte ein. Ich beziehe schon seit einigen Jahren Ökostrom. Und die letzte Abrechnung zeigt, dass mein Verbrauch unter dem Durchschnitt liegt.
Doch besser geht immer (zumal der Durchschnitt ja auch nicht gerade toppig ist). Also schauen wir uns die Geräte in meiner Wohnung an: Mein Fernseher, die diversen Radios, Wasserkocher und Toaster scheinen nicht besonders ins Gewicht zu fallen. Zumindest erregen sie keinen Kommentar. Etwas anders sieht das bei meinem Herd und meiner Waschmaschine aus. Beide sind nicht mehr die jüngsten Modelle und höchstwahrscheinlich ziemliche Stromfresser. Die alten Geräte rauszuwerfen und effizientere zu kaufen, wäre allerdings (solange sie noch tadellos laufen) nicht sinnvoll, meint meine Energieberaterin. Die Herstellung neuer Geräte verursacht selbst viel Energie bzw CO2. Bis deren Klimabilanz besser ist als die der alten Geräte, dauert es je nach Modell ggf ein paar Jahre.

Nach den Elektrogeräten nehmen wir nochmal Heizung und Warmwasser in den Blick. Obwohl die Thermostate nur auf 2 eingestellt sind (und die Heizkörper dementsprechend nicht besonders warm), ist es dennoch recht angenehm warm. Offensichtlich profitiere ich von der Sandwichposition meiner Wohnung. Allerdings bereitet der Heizkörper in der Küche meiner Energieberaterin (und vor allem mir) etwas Sorgen. Obwohl nur auf Nachtabsenkung gestellt, ist der gesamte Heizkörper superwarm. Offensichtlich macht hier das Thermostat nicht seinen Job, sprich: den Wasserfluss zu reduzieren, sobald die Raumtemperatur den eingestellten Thermostatwert übersteigt. Da muss ich wohl mal meine Heizungsfirma kontaktieren. Ansonsten scheint in meiner Wohnung aber recht wenig Wärme flöten zu gehen. Die Fenster und die Wohnungstür sind laut Ansicht meiner Energieberaterin dicht. Wie zuverlässig eine Messung per Hand und Feuerzeug ist, bin ich mir allerdings nicht so sicher…

Die Stunde ist schnell vorbei. Mit ein paar allgemeinen Energiespartipps zum Abschluss und der Versicherung, dass ich in 1-2 Wochen den Kurzbericht bekomme, verabschiedet sich Frau Schmidt von mir.
Mein Fazit:
Der Basis-Check ist sicherlich keine umfassende Untersuchung für alle klimatischen Lebenslagen mit Gutachten & allem Pipapo, aber eine fundierte Einschätzung der energetischen Situation im Haushalt, die mir an der ein und anderen Stelle ein paar erhellende Einsichten gebracht hat.
