Solidarisch Gemüse futtern

In der Landwirtschaft bläst ein rauer Wind: Wachse oder weiche, heißt das Motto. Niedrige Abnahmepreise für Getreide, Gemüse und Milch bei gleichzeitig hohen Kostendruck lassen Landwirten häufig keine andere Wahl als sich selbst und die natürlichen Ressourcen über die Belastungsgrenzen auszubeuten oder gleich aufzugeben.

Die Solidarische Landwirtschaft (SoLaWi) setzt den gnadenlosen Mechanismen des globalen Marktes eine innovative Strategie entgegen, bei der Verbraucher auf lokaler Ebene mit einem Landwirt bzw einem Anbauteam aus Gemüsegärtnern kooperieren. Die Lebensmittel werden nicht mehr über den Markt vertrieben, sondern unter den Teilnehmern der SoLaWi verteilt. Die Mitglieder zahlen pro Monat einen bestimmten Beitrag und erhalten im Gegenzug regelmäßig einen Ernteanteil. Von einem guten Jahr profitieren alle gleichermaßen. Im Fall einer schlechteren Ernte wird das Risiko nach dem solidarischen Prinzip auf viele Schultern verteilt.

Seit diesem Jahr gibt es auch in Konstanz eine Solidarische Landwirtschaft. Im April hat sich der Verein gegründet. Auch ich bin Mitglied geworden und bekomme seit Juni leckeres Biogemüse von der Insel Reichenau frisch auf dem Tisch. Damit die Mitglieder nicht auf die Reichenau fahren müssen, um ihre Gemüseanteile zu holen (und dabei je nach Vehikel jede Menge CO2 rauspusten), gibt es zentrale Verteilpunkte in verschiedenen Stadtteilen – was sehr bequem ist. Mein Süßer und ich teilen uns einen Gemüseanteil. Und das ist auch gut so. Denn im Sommer konnten wir zweimal in der Woche Gemüse abholen – und davon nicht zu knapp. Allein hätte ich die Gemüseberge gar nicht geschafft. Seit einigen Wochen gibt es nur noch eine Ernte pro Woche. Aber auch das reicht uns oft noch dicke. Ich bin mal gespannt, wie es dann im Winter aussieht. Für meinen Entschluss ab sofort möglichst nur noch saisonal zu essen, gibt es auf jeden Fall kaum eine bessere Voraussetzung.

Zukunftsmodell

Für mich ist die SoLaWi das Landwirtschaftsmodell der Zukunft. Warum? Weil es bei diesem System  viele Gewinner gibt:

  • Der Bauer ist nicht mehr von schwankenden Weltmarktpreisen abhängig, sondern ist finanziell abgesichert.
  • Die Mitglieder erhalten gesunde Nahrungsmittel frisch auf den Tisch sowie Einblick und Einfluss auf die Produktion.
  • Da viele SoLaWi-Projekte ökologischen Anbaumethoden folgen, profitiert auch die Natur. Die SoLaWi leistet damit einen wichtigen Beitrag zu einer nachhaltigen Entwicklung und
  • hilft eine kleinbäuerliche, vielfältige Landwirtschaft zu bewahren.

Das Bewegung wächst unablässig. Ende November 2018 waren im bundesweiten „Netzwerk Solidarische Landwirtschaft“ bereits rund 200 Höfe und Initiativen registriert.

Mehr Infos unter:
Netzwerk Solidarische Landwirtschaft 
SolaWi Konstanz

 

About the author

Hi, ich bin Angie alias "die Klimapiratin". Mit 100 kleinen, einfachen Maßnahmen versuche ich meinen ökologischen Fußabdruck innerhalb eines Jahres zu schrumpfen. Gleichzeitig checke ich ab, was in meiner Heimatregion Konstanz im Bereich Nachhaltigkeit alles schon geht.

Begleitet mich dabei und lasst euch inspirieren!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert