Wegwerfen? Nee, reparieren!

Mit Grausen habe ich vor kurzem mal wieder entdeckt, welche „Schätze“ bei mir auf dem Dachboden schlummern – darunter Kartons mit diversen kaputten Geräten und Säcke mit löchrigen Jeans und Shirts, die ich unlängst fachgerecht entsorgen wollte. Einiges davon ließe sich sicherlich mit Geduld und Spucke reaktivieren. Das Problem: Ich hab zwei linke Hände – und Geduld ist ja so gar nicht meins…Mich alleine ans Werk zu begeben, dafür fehlt mir die Motivation. Schon lange liebäugele ich daher mit der Idee, mal mit dem ein oder anderen noch nicht ganz hoffnungslosen Stück ein Repair Cafe zu besuchen. Dort helfen Freiwillige anderen Menschen, ihre defekten Besitztümer zu reparieren und sie so vor der Mülltonne zu retten. Bei den Cafés handelt es sich nicht um täglich geöffnete Läden. Es sind vielmehr regelmäßig wiederkehrende Treffen. Auch der Nachbarschaftsverein Miteinander in Konstanz e.V. organisiert etwa alle zwei Monate ein Repair Cafe im Quartierszentrum Berchen Öhmdwiesen. Heute war es wieder soweit. Ich wollte mir das Ganze erst einmal anschauen. Als freiwillige Helferin am Empfang und in der Küche habe ich ein bisschen Mäuschen gespielt.

An der Nähstation ist alles bereit für den Einsatz.

Schon 10 Minuten vor dem offiziellen Start um zwei Uhr tauchen die ersten hoffnungsfrohen Besucher auf, das kaputte Utensil im Schlepptau. Glücklicherweise ist schon fast alles vorbereitet. Die verschiedenen Stationen für die Reparatur von Elektrogeräten, Computer und Kleidung sind mit Werkzeug und Arbeitsgeräten bestückt, die Fachleute sitzen in den Startlöchern, Kaffeeduft weht durch die Räume und in der Küche lockt ein reiches Kuchenbuffet.

Gestärkt mit Kuchen und Kaffee repariert es sich gleich nochmal so gut…

Schnell füllen sich Tische und Räume. Braungelockte, blonde und grauhaarige Köpfe beugen sich mit Feuereifer über defekte Lampen, CD-Spieler, Espressomaschinen, Staubsauger, Handys und Computer. An der Nähstation flickt ein junger Mann die Hosentasche seiner Jeans und eine ältere Dame holt sich Unterstützung, um ihren zum Teil zerschlissenen Vorhang zu kürzen. Wer gerade nichts zu tun hat, schaut den anderen interessiert zu. Die Fachleute geben Hilfe zur Selbsthilfe und legen in dem ein oder anderen Fall selbst Hand an. Auch unter den Besuchern werden eifrig Tipps und Erfahrungen ausgetauscht oder einfach bei einem Tässchen Kaffee gemütlich geplauscht. Die Stimmung ist angeregt und gleichzeitig gelöst. Schön!

Am Tisch für die elektrischen Geräte wird den ganzen Nachmittag eifrig getüftelt.

Über 20 Besucher habe ich nach knapp zwei Stunden bereits registriert. Dass an diesem grimmig kalten und nassen Januartag so viele Menschen ihren Weg in das kleine Quartierszentrum in Wollmatingen gefunden haben, haut mich echt um. Die Märkte sind überschwemmt mit billigen Konsumgütern. Da bietet es sich förmlich an, ein kaputtes Produkt durch ein neues zu ersetzen anstatt es mehr oder weniger mühsam zu reaktivieren. Zumal es heute nicht mehr selbstverständlich ist, dass man Dinge überhaupt reparieren kann – zum Teil, weil sie nicht darauf angelegt sind, zum Teil aber auch weil viele von uns gar nicht die nötigen Kenntnisse und Fähigkeiten dafür besitzen. Das beschert uns nicht nur riesige Müllmengen. Die immer größere Produktion von billigen Wegwerfwaren führt auch zu steigendem Rohstoffverbrauch und einer weiter wachsenden Umweltbelastung.

Der Andrang im Repair Café zeigt, dass es ein wachsendes Bedürfnis in unserer Gesellschaft gibt, diesen verheerenden Kreislauf zu durchbrechen. Das Konzept dieser do-it-yourself-Initiative stammt aus den Niederlanden. Im Oktober 2009 fand in Amsterdam das erste Repair Café statt. Inzwischen hat sich die Idee in rund 30 Ländern verbreitet. Alleine in Deutschland findet man in mehreren hundert Städten Repair Cafés.

Voller Einsatz für die Lieblingsjeans.

Mir macht diese Entwicklung Mut. Denn ich denke, dass Repair Cafes dazu beitragen können, unser Konsumverhalten zu verändern und eine Alternative zur heutigen Wegwerfgesellschaft zu schaffen.Wenn wir wieder lernen, wie man Dinge repariert, werden Gegenstände länger brauchbar und nicht mehr so schnell weggeworfen. Das spart Energie und schont damit das Klima. Aber auch für das soziale Gefüge bieten diese Initiativen ein großes Potential. Denn sich gegenseitig helfen und Hilfe finden, stärkt das Gemeinschaftsgefühl. Und genau das brauchen wir nötiger denn je.

Nicht gleich aufgeben. Mancher Patient lässt sich mit fachlicher Unterstützung reanimieren.

Bei mir gibt es jetzt auf jeden Fall eine Kiste mit der Aufschrift „Repair cafe“. In zwei Monaten ist es wieder so weit. Dann stürze auch ich mich ins Reparatur-Getümmel.

Nächstes Repair Cafe im Quartierszentrum: 30. März 2019

Adresse:
Quartierszentrum Berchen-Öhmdwiesen
Allensteinerstr. 1b
78467 Konstanz

 

Mehr zum Repair Cafe von Miteinander Konstanz e.V.

Mehr zum Konzept Repair Cafe

 

About the author

Hi, ich bin Angie alias "die Klimapiratin". Mit 100 kleinen, einfachen Maßnahmen versuche ich meinen ökologischen Fußabdruck innerhalb eines Jahres zu schrumpfen. Gleichzeitig checke ich ab, was in meiner Heimatregion Konstanz im Bereich Nachhaltigkeit alles schon geht.

Begleitet mich dabei und lasst euch inspirieren!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert